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Haases Medizin

Der große Schauspieler FRIEDRICH HAASE war von 1856 his 1858 Mitglied des Alten Frankfurter Schauspielhauses. Einmal hatte er eine Magenverstimmung, die ihn zwar nicht am Auftreten hinderte, aber doch so lästig war, dass der Theaterarzt in Haase drang, einen Heiltrank, den er ihm verordnet hatte, einzunehmen. Aber alle Überredungskunst des Arztes scheiterte an Haases Eigensinn: er sträubte sich beharrlich, das Zeug zu trinken. Eines Abends trat er in einem Stück auf, in dem er im letzten Akt Gift aus einem Becher trinken musste. Der Giftbecher war auch richtig zur Hand, fast bis zum Rand gefüllt, und Haase schickte sich an, die große Szene vorzuführen. Als er aber den Kelch an die Lippen setzte, mußte er zu seinem Schrecken und Schaudern bemerken, daß statt des erhofften Portweins, mit dem er sich das „Sterben“ sonst versüßte, ein sorgsam zubereiteter kräftiger Tee aus Sennesblättern, eben die Medizin, die ihm der Arzt verordnet hatte, darinnen war. Nun gab es aber kein Zurück mehr. Haase mußte in heldischer Gelassenheit die Medizin hinunterschlucken. Sein Mienenspiel war dabei von solch erschütterndem Realismus, daß Haase am Schluß der Vorstellung unter tosendem Beifall immer wieder gerufen wurde. Friedrich Haase tobte zwar zuerst, er hat aber dann seinem Arzt das Gift, zumal es heilte, großzügig verziehen.

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